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]]>Moden verändern sich nicht so schnell, wie oft behauptet wird. Mal werden andere Farben oder Rocklängen propagiert, mal sind die Kragen größer oder kleiner. Das war es dann aber auch schon. Wirkliche Veränderungen entstehen durch Materialentwicklungen und neue Silhouetten über längere Zeiträume. Das haben wir in den letzten Jahren erlebt. Alles wurde größer und größer. Es ist interessant an sich selbst zu beobachten, wie einen die Mode – ob man möchte oder nicht – beeinflusst. Skinny Jeans waren doch vor kurzem noch der Inbegriff von Coolness? Hosen mit Schlag? Igitt! Jetzt können die Hosen gar nicht mehr weit genug um die Beine flattern. So sieht Coolness gerade aus. Stichwort: Trend lässige Hosen. Aber auch ältere Pullover, Shirts und Jacken im Schrank kommen einem plötzlich alle zu klein vor. Das liegt nicht an der Waage, sondern an der Mode.
Länger schon werden die Laufstege maßgeblich von Streetwear, von Sportswear und auch Funktionskleidung, die ursprünglich nur für Outdooraktivitäten gedacht war, beeinflusst. Das hat die Silhouetten verändert, neue, oft elastischere Materialien in die High Fashion eingeführt und den Tragekomfort erhöht. Es gab ja tatsächlich eine Zeit, in denen Jogginghosen bestenfalls als Freizeithosen durchgingen. Jetzt sind Anzughosen mit Tunnelbund fast selbstverständlich.
Normcore nennt sich ein Trend, der der um die Jahrtausendwende geborenen Generation Z gefällt. Normcore bezeichnet unauffällige, eher biedere Unisex-Mode. Nur wer die Stylecodes kennt, sieht dass diese Looks nicht zufällig sind. Die Generation Z findet aber nicht allein Gefallen an Mode mit einem Hang zur Unscheinbarkeit, sondern auch an Kombinationen, die ihre Eltern für Geschmacksverirrung halten. Nicht zuletzt, weil sie Nylonjacken, Neonfarben, Stonewashed- und Baggy-Jeans oder Vokuhila-Frisuren an ihre eigenen modischen Fehltritte in den 80er- und 90er-Jahren erinnern. Heute geht es dabei um eine andere Idee von dem, was schön ist. Das neue männliche Sexsymbol heißt „Hot Rodent Man“ oder „Sexy Rat Boyfriend“. Es handelt sich um schmale, blasse Männer mit markanten Zähnen, die an Nagetiere erinnern. Coole Labels engagieren deshalb Jungs als Models, die früher freundlich mitleidig als Charakterkopf oder auch als Spargeltarzan bezeichnet worden wären. In Staffel 3 der Erfolgsserie Bridgerton hält der „begehrteste Mann der Saison“, Colin Bridgerton, um die Hand der von allen als Mauerblümchen bemitleideten fülligen Penelope an. Ein curvy Model gehört inzwischen zum guten Ton auf dem Laufsteg.
Was bedeutet das alles für die Mode im kommenden Winter? Der oversized Trend ist inzwischen auch bei denen angekommen, für die Mode eher eine Nebensache ist. Er hat seinen Zenit erreicht. Noch größer und weiter geht nicht. Die Silhouetten bleiben zwar oversized aber moderater. Wenn Jacken und Mäntel gerade noch eher kantig geschnitten waren, tendieren sie jetzt zum Runden. Der Trend Gorpcore, auch so eine Generation Z Idee, wird laufstegtauglich. Gorp“ ist die englische Kurzform für „Good old Raisins and Peanuts“, also für das, was bei uns Studentenfutter genannt wird und unterwegs in der Natur die Energiereserven auffüllt. Typisch Gorpcore sind Funktionsjacke, Fleecepulli und Rucksack. Outdoorkleidung und High Fashion gehen nun eine interessante Verbindung ein. Interessanterweise zieht dabei das, was mal „Schick“ oder „Eleganz“ genannt wurde, nicht den Kürzeren. Die Sportivität der Streetwear wird zurückgedreht und bekommt Schliff. Pufferjacken, Fleecestoffe, aufgesetzte große Taschen aus der Outdoorabteilung geben gut geschnittenen Kleidern, Anzügen oder Hosen einen lässigen Touch, sind aber unverkennbar eher in der City als im auf dem Wanderweg zu Hause. Warum auch immer. Streifen sind nun wieder angesagter als Karos. Der Spagat der aktuellen Mode besteht darin, im Alltagslook das Besondere zu integrieren, Individualität zu inszenieren und dabei nicht Gefahr zu laufen, overdressed zu wirken. Etwas Normcore, ein Tick Gorpcore und nicht zuletzt ein Hauch von Couture: Dieser Mix macht Mode.
Der Outerwear-Aspekte zeigt sich in den aktuellen Kollektionen durch Maxi-Mäntel, Kapuzen, Capes und wattierte Jacken und Westen in unterschiedlichen Formen. Die vielen groben Strickteile gehören in weiterem Sinn auch zu diesem Trend. Das gute alte Zopfmuster ist besonders gefragt. Alls Accessoires zum Look passen Stiefel – oft Overknees -, derbe Schuhe mit dicken Sohlen, Kopfbedeckungen aller Art und lange Schals. Taschen, groß oder klein, werden bevorzugt unter dem Arm getragen.
Dem Thema Mantel haben die Designer viel Aufmerksamkeit gewidmet, sie passen je nach Styling mit Pullover und Jeans oder Rock und Heels zu verschiedensten Anlässen. Besonders angesagt ist Fake Fur, also Kunstpelz – auch für ihn. Trendsetterinnen tragen Leopardenmuster, beide Geschlechter auch Flauschiges in schrillen Farben.
Eleganz und Business-Ästhetik ziehen in die Mode durch weit geschnittene Stoffhosen, knielange Röcke und große Blazer ein. Glänzendes Leder lässt manche Looks besonders edel wirken, andere rau. Interessant wird ein Outfit dann, wenn Streetstyle auf Business trifft. Die Farbigkeit ist eher gedeckt und monochrom: Grau, Schwarz, Braun und leuchtendes Rot. Hier spielt das Thema Silent Luxury – unauffälliger Luxus – eine Rolle, mit dem sich die finanziell mehr als Bessergestellten modisch und gesellschaftlich abgrenzen. Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group und des italienischen Luxusgüterverbands Altagamma zeigt, dass sogenannte VICs, Very Important Clients, zwar nur ein Prozent der Luxuskunden ausmachen, ihr Gewicht gemessen am Umsatz aber rasant zunimmt. Jeder einzelne dieser Kunden gibt zwischen 200- und 250-mal mehr aus als durchschnittliche Luxuskunden, das sind solche, die immerhin zwischen 50 000 und 300 000 Euro im Jahr ausgeben, nicht nur für Mode, auch für Reisen, Sternerestaurants, Wellness und Finanzdienstleistungen. Wirklich interessant sind diejenigen, deren Käufe sich auf über eine Million Euro pro Jahr addieren, es sind „Consumers Beyond Money“ – Kunden mit unbegrenztem Budget. Bei einigen Marken sorgen sie für fast 30 Prozent des Umsatzes. Das erklärt den starken Anstieg der Preise bei vielen Labels. Wer nur ab und zu ein Teil kauft, ist schlicht uninteressant. Eine ähnliche Tendenz ist auf dem Möbelmarkt zu beobachten. Dort ist der Trend zu Sesseln, Sofalandschaften, Ess- und Couchtischen im XXL-Format auch ungebrochen. Es sind große, repräsentative Möbel für Menschen in Häusern „beyond money“.
Auch wer keinen VIC-Status in Anspruch nehmen kann, muss nicht in Sack und Asche gehen oder auf Kisten sitzen. Geschmack ist nicht zwingend gleichbedeutend mit Geld. Weil es viele Möglichkeiten gibt, ein Mix und Match der Stile dem Zeitgefühl entspricht, bietet der Modemarkt genügend erschwingliche Alternativen für Normalverdienerinnen und -verdiener. Dazu gehört auch, dass Second-Hand-Kleidung und sogenannte Archivware aus vergangenen Saisons begehrt ist. Die Mode ändert sich nicht so schnell. Was gestern gut aussah, tut es auch noch morgen. Mode sollte in erster Linie Spaß und keine Schulden machen.
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]]>Große Logos, It-Bags, teure Uhren: In der Art und Weise sich zu kleiden, geht es oft darum, zu zeigen, wer man ist und welchen Lifestyle man sich leisten kann. Auch Reiseziele sind Statussymbole. Business Class nach Mauritius, der Roadtrip durch Neuseeland, damit lässt sich Eindruck schinden, wenn man es ganz nebenbei im Gespräch einfließen lässt. Aber es geht schon vorher los, und zwar mit dem Gepäck. Die Koffer von Louis Vuitton stehen seit dem 19. Jahrhundert für mondänes Leben und Reisen. Noch exklusiver sind Gepäckstücke von Goyard, die nur im Geschäft in Paris erhältlich sind.
Carl von Karstedt, märkischer Uradel, Berufsbezeichnung „Stilmacher“, erzählte mir vor einiger Zeit, dass er in 5-Sterne-Hotels den Mitarbeitenden in Seminaren erklärt, was das Gepäck über die ankommenden Reisenden aussagt. We an der Rezeption auf seine besonders schönen Weekender angesprochen wird, ist vermutlich geschmeichelt und fühlt sich im besten Sinne erkannt.
Aktuellstes Beispiel für ein Upgrade zum Statussymbol sind die Aluminiumkoffer von Rimowa. In der Kreativbranche galten sie schon lange als cool. Zu Beginn der Schauenwochen von New York bis Paris wurden immer besonders viele dieser Modelle über die Kofferbänder der Airports transportiert. Seit die Kölner Traditionsfirma Rimowa vom Luxuskonzern LVHM übernommen wurde, dürfen nur noch High-End-Händler die Koffer anbieten und die Preise sind deutlich in die Höhe gesprungen. Die Koffer sind nicht mehr praktisches Lieblingsgepäck der Kreativen, sondern Statussymbol für alle, die dazugehören wollen. Die LVHM-Gruppe nennt schließlich Labels wie Celine, Givenchy oder Fendi ihr eigen. Limited Editions machten Rimowa- Koffer endgültig zu Must-haves für diejenigen, die Wert darauf legen, mit Gepäck ihr „In-sein“ zu beweisen.
Wirklich vornehm, erklärt Stilmacher von Karstedt, sind Gepäckstücke, denen man ihre Kostbarkeit nicht auf den ersten Blick ansieht. Wer mit teurem Gepäck oder Brillanten besetzten Uhr beeindrucken will, habe etwas falsch verstanden.

RIMOWA, Original Pilot Silver
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]]>Das Comeback von Schwarz ist der wichtigste Trend für den Sommer 2023. Die letzten Saisons waren den leuchtenden Tönen sehr zugetan. Wenn jetzt die Farbe der Nacht für Sommertage propagiert wird, ist das eindeutig eine modische Kehrtwende. Sie wird noch dadurch unterstrichen, dass in vielen Kollektionen Leder roughe Akzente setzt. Gleichzeitig geht der Einfluss der Sportmode weiter zurück. Die Looks wirken angezogener. Legere Eleganz löst sportliche Lässigkeit ab.
In den 90er-Jahren war Schwarz unter Modeprofis schon einmal die einzig akzeptierte Farbe. Wie eine Schar Krähen wirkten Moderedakteurinnen, Einkäufer und Stylisten damals, wenn sie sich am Eingang der Zelte in Paris, in denen die Schauen stattfanden, versammelten. Der minimalistische schwarze Look der 90er war Ausdruck von Zurückgenommenheit. Die puren Designs etwa von Helmut Lang oder Jil Sander, die auf jedes überflüssige Accessoire verzichteten, galten als Ausdruck von Intellektualität. In ihrem Schwarz betonten die Modeschaffenden ihre Smartness, wollten beweisen, dass Mode mehr ist als schöne Oberfläche ist. Das strickte Schwarz der Fashion Crowd stand allerdings im Kontrast zur Alltagsmode, in der Techno-Outfits, der Grunge-Look, All-over-Jeans und Neonfarben gefragt waren. Nach dem breitschultrigen Dress for Success in den 80ern begann in den 90ern, was heute selbstverständlich ist: Es gab viele mögliche Styles, die Mode individualisierte sich. Trenddiktate waren passé. Vieles war möglich und das ist auch im Sommer 2023 so.
Einige der Key-Looks der 90er, nämlich bauchfreie Tops, lange Slip Dresses, Jeans, oversized Schnitte, Volants feiern ihr Revival in der aktuellen Mode und das eben oftmals ganz in Schwarz, manchmal mit einem Gothic-Touch. Ob mit dem wieder aktuellen Schwarz die Weltkrisen reflektiert werden, die Modedesignerinnen ihre pessimistische Sicht der Dinge auf den Laufsteg bringen, sei dahingestellt. Vielleicht lässt sich der modische Wandel einfach damit begründen, dass die Zeit reif war für einen Schwenk. Noch mehr Jogginghose, noch mehr Sportlichkeit im Alltag, wie es die letzten Saisons propagiert haben, war ja kaum möglich. Die Lust an der Selbstinszenierung, an modischem Updressing, wie es die vor kurzem verstorbene Vivien Westwood immer gefordert hat, ist wieder gewachsen. Westwood hat den Schwenk von Punk zu Eleganz gewagt, da werden wir doch aus Sweatshirt und Jogginghose kommen. Schwarz macht es einem dabei noch dazu leicht. Ganz in Schwarz gewandet werfen wir ohne viele Mühen einen eindrucksvolleren Schatten als in Pastelltönen. Für den Total-Black-Look spricht, dass er unkompliziert ist. Mit ihm lässt sich nicht viel verkehrt machen und er lässt sich ganz unterschiedlich stylen. Ob formell, ob casual, am Tag oder auch abends, Total Black funktioniert immer. Last but not least: Schwarz steht jedem und schmeichelt der Figur.
Total Looks: Nicht bunt aber farbig
Was nicht unterschlagen werden darf: Es gibt neben Total Black genügend farbstarke Optionen für diesen Sommer. Die herausragende Trendfarbe ist Grün in allen Schattierungen. Es bricht die pinke Welle, die letztes Jahr die Catwalks flutete. Daneben behaupten sich Lavendel-, Gelb-, Orange- und Blautöne – immer ausdrucksstark, aber nicht schrill. Und natürlich sind rosa und pink Schattierungen niemandem verboten. Vor allem dann, wenn sie regenbogenartig oder den Sonnenuntergang imitierend mit den anderen Trendfarben kombiniert werden. Wer sich für die neue Angezogenheit begeistert, wird allerdings auf monochrome Outfits setzen. Eine Farbe von Kopf bis Fuß ist immer ein starkes Statement. Das gilt nicht nur für Schwarz. Eine Zeit lang schien Einfarbigkeit gestrig, wenn nicht sogar madamig, jetzt plötzlich wirkt sie cool und sophisticated. So launenhaft ist die Mode.
Modischer Faktor: Viel Haut
Im Sommer 2023 gehört die pure Haut mit zu den wichtigsten modischen Eyecatchern. Sie und er tragen Crop Tops, die den Bauchnabel freilegen, unter dem Sakko einfach gar nichts oder nur ein Tanktop. Die Männer zeigen in kurzen Shorts besonders offensiv ihre Beine und kombinieren zu ihnen ein großzügig geschnittenes Sakko. Klassische Hemden und Anzüge verlieren an Bedeutung. Hemden werden zu Überhemden und wie leichte Jacken oder Blousons getragen. Transparente Stoffe und Netzhemden, mal hippiesk in Makramee-Manier, mal einem Fischernetz ähnlich, geben ansonsten formalen Looks für beide Geschlechter einen sexy Twist. Um das Formale zu brechen, zieren Oberteile für die Damen immer mal wieder auch Volants. Die 70er sind für anscheinend jede Fashion-Dekade ein unerschöpflicher Fundus. Immer wieder neu erfinden sich auch Jeans, die ebenfalls gerne im Totallook getragen werden dürfen. Sie werden eher verwaschen als dunkel ausgewählt und sind zu fast jeder Gelegenheit Alltime-Favorits.
Generell gilt, Kostüme für die Damen, Anzüge, Jacken und Hosen für beide Geschlechter werden oversized, mitunter geradezu voluminös getragen. Stoffhosen haben Bundfalten und sind um die Hüfte weiter geschnitten.
Ganz lang oder sehr kurz
Die Frage nach der richtigen Rock- oder Kleiderlänge ist ein Dauerbrenner. Aktuell kann sie klar beantwortet werden: Waden- bis knöchellange Röcke und Kleider sind angesagt, superkurze Miniröcke die coole Ausnahme von der Regel. Die superkurzen Shorts mit aufgesetzten Taschen von Miu Miu oder die Leder Minis mit schrägen Taschen zum Eingreifen von Isabelle Marant sind etwas für Trendsetterinnen mit langen Beinen und ein Beispiel für Utility-Wear-Anleihen, die der oftmals romantischen Eleganz Kontra bietet, genauso wie das viel gezeigte Leder.
Zwei gegenläufige Trends bestimmen also den Sommer 2023, auf der einen Seite die coolen schwarzen Looks, zu denen die durchaus auch martialischen Lederjacken, Hosen und Röcke gehören, und die mal flamboyante, mal businesslike Eleganz von Hosenanzügen und Kleidern.
Es ist eine Binsenwahrheit, dass sich Gegensätze anziehen, dass der Kontrast von zart und hart seinen Reiz hat. Hier den individuell passenden Weg zu finden, ist die Stylingherausforderung des Sommers.
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Die Schauen für Herbst/Winter 20/21 liefen quasi parallel mit dem Ausbruch der Corona Krise im Frühjahr. Armani war Ende Februar der erste, der seine Schau absagte und nur streamte. Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass Masken im Sommer – und nun auch im Winter – das wichtigste Accessoire sein werden. Auch wenn Covid-19 beim Entwerfen der Herbst-Kollektionen noch keine Rolle spielte: Eine gewisse Ernsthaftigkeit war schon in den letzten Saisons in das als selbstverliebt geltende Modebusiness eingekehrt. Es hatte die Notwendigkeit, sich mit Klimaschutz und nachhaltiger und fairer Produktion zu beschäftigen, erkannt. Corona hat der Philosophie des „immer schneller“, „immer mehr„ und „immer neu“ endgültig einen Stein ins Getriebe geworfen. Die Britische Vogue hat in der Augustausgabe vierzehn verschiedene Cover der Natur unter dem Hashtag Reset gewidmet. Atemberaubend schön und weit und breit kein Kleid oder Model. Die Bilder wirken wie eine Aufforderung zum Durchatmen und Nachdenken, was wirklich wichtig ist. Wer dann ehrlich ist wird zugeben, Mode ist vielleicht wirklich die wichtigste Nebensache der Welt. Es tut der Seele gut, sich schön zu machen – von Kopf bis Fuß. Viele Gelegenheiten gab es dazu lange nicht. Niemand möchte auf Dauer in Jogging Hose und Sweater rumlaufen. Für die Damen versuchten die Designer, für den Herbst eine zeitgemäße Form des Powerlooks zu entwickeln. Puffärmel, Volants oder gebauschte Volumen akzentuieren in vielen Kollektionen die Schultern. Die moderne Frau ist stark und sensibel. Seide und Tweed sind kein Widerspruch. Die Farben? Viel Weiß und Schwarz, dazu delikate Töne wie Scharlachrot, Kiwi, Schokoladenbraun, Rose, Maisgelb. Für Männer ist das Thema „New Formal“ interessant. Sakkos, Hosen und Hemden sind oft oversized. Tragekomfort spielt eine Rolle, aber der Einfluß des Sports ist nicht mehr so vordergründig. Es gibt kein Modediktat. Die Mode fordert uns nur gerade zu feiner Zurückhaltung auf, ohne dabei den Spaß an ihr zu verlieren.
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Namen wie Taaru Suuf, Christie Brown, oder Thebe Magugu, 2020 der erste afrikanische Gewinner des bedeutenden LVHMPreis Modepreises, sind einem nicht geläufig, aber Mode aus Afrika ist plötzlich ein Thema. Nicht weil sie so „ethno“ ist oder, weil „man helfen“ möchte, sondern, weil sie eine eigene Ästhetik hat und gut in die Zeit passt. Tradition, Regionalität, Handwerklichkeit und Nachhaltigkeit sind Schlagworte, die gerade hoch im Kurs stehen. Sie alle beschreiben genau das, was Mode aus Afrika auch ausmacht.
Es gibt im eigentlichen Sinne keine Modetradition in Afrika, aber Kleidung hatte hier immer eine besondere Bedeutung, etwa ritueller Art und auch, weil man schön sein wollte – oft widrigen Umständen zum Trotz. Kleidung in Afrika ist Ausdruck von Stolz, sich in Schönheit zu präsentieren ein Zeichen der Selbstachtung und des Respekts für das Gegenüber. Afrikanische Mode ist der größte Kontrast zum Jogginhosen-Look oder Homewear Style. Vielleicht stilbildend für die Idee von einen „neuen Eleganz“, nach der die Mode gerade sucht. Die Stärke der neuen Designergeneration aus Afrika liegt darin, dass sie weiß, was in Paris und Mailand los ist, sich ihre Kreativität aber aus der eigenen vielfältigen Kultur und den Traditionen des Kontinents speist. Mode aus Afrika ist genau wie Mode sein sollte: Inspirierend und überraschend. Waridi Schrobsdorff, ehemaliges Model aus Kenia ist mit ihrem Projekt Fashion Africa 254 (www.fa254.com) eine Botschafterin afrikanischer Mode in Deutschland. „Die Designer aus Afrika stehen am Anfang einer Entwicklung“, sagt sie, „sie sind neugierig und haben eine besondere Energie.“ Das bewies auch die Show südafrikanischer Mode, die die Fashion Week Berlin im Frühjahr eröffnete oder das Magazin über Mode aus dem Senegal, das das Goethe Institut in Kooperation mit dem Œ Magazin (www.oe-magazine.de) gerade herausgebracht hat. Afrika ist schon lange ein Versprechen. Die afrikanischen ModemacherInnen halten es.
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Trends laufen irgendwann aus oder aber werden so extrem, dass sie beginnen, lächerlich zu werden. Daran kann man erkennen, dass sie passé sind. Heute schlendern in Paris Chefredakteurinnen lässig in Sneakern zu ihrem Front Row Platz. Vor einigen Saisons brauchten Kolleginnen immer wieder eine stützende Hand, weil sie auf ihren hohen Plateauschuhen kaum noch balancieren konnten. Oder im Rokoko, um ein historisches Beispiel zu nennen, waren die Perücken irgendwann so hoch, dass sie sich mitunter an den Kerzen der Kronleuchter entzündeten. Der zunehmenden Dekadenz der Epoche machte die Französische Revolution ein Ende. Heute kann man bei Google allein zum Thema Wimpernverlängerung weit über zwei Millionen Einträge finden: Was die teuflischen Klumpfüße in der Mitte des 20. Jahrhundert und die Perücken im Rokoko waren, sind aktuell die „Lashes“. So viel Wimper war nie. Manche Mädchen können die Augen kaum noch öffnen, oder man fragt sich, haben sie überhaupt Augen unter den schwarzen Fliegenbeinen? Wimpern sind eigentlich dazu da, die Augen vor Schmutz und Staub zu schützen. Nach 100 bis 150 Tagen fallen sie aus, circa 150 bis 250 Wimpern in unterschiedlichen Längen hat der Mensch durchschnittlich am Oberlid. Wimpern könnten getuscht, gebogen, gefärbt und eben verlängert und aufgefüllt werden. Keine Frage, dunkle, volle Wimpern machen das Auge ausdrucksvoller und den Blick verführerischer. Ein koketter, schläfriger oder geheimnisvoller Wimpernschlag hat schon manchen Flirt eröffnet. Aber man kann es eben auch übertreiben. Frauen mit besonders üppigen Verdichtungen und Verlängerungen berichten davon, dass sie wie durch einen schwarzen Schleier schauen. Richtig viele Wimpern stoßen beim Blinzeln auch schon mal ans Oberlid. Das sollte doch zu denken geben. Dass für die Schönheit mitunter auch gelitten werden muss, ist eine Binsenweisheit. Leid hin oder her, vom Weinen ist mit falschen Wimpern abzuraten. Auch von Freudentränen und überhaupt jeder Art von Flüssigkeit. Sie tut den falschen Härchen gar nicht gut. Augen waschen, Augen reiben? Besser nicht! Gerade unter der Dusche eine Herausforderung. Die angeklebten Wimpern fallen mit den eigenen alle vier bis fünf Wochen aus. Dann muss sowieso nachgeklebt werden. Das muss bezahlt werden. So wie die ganze Prozedur. Erstmaliges Auffüllen so um die 200 Euro. Das Nacharbeiten kann auch bis zum Hunderter kosten. Zeitfaktor in etwa zwei Stunden. Wenn es schneller geht, ist das eher ein schlechtes Zeichen. Dass Wimpern kleben, ist schließlich Feinarbeit. Die verlangt Geduld. Damit nicht schon nach zwei Wochen erste Lücken entstehen, empfiehlt es sich, auf dem Rücken, mindestens auf der Seite zu schlafen. Nächtliche Bewegungen und Druck tun der Pracht am Auge nicht gut.
Frauen, die sich dazu entscheiden, den eigenen Wimpern wieder eine Chance zu geben, berichten von regelrechten Schockzuständen, wenn sie in den Spielgel schauen. Das eigene Auge kommt ihnen am Anfang nackt, kahl und blass, der Blick stumpf und müde vor. Bei einigen soll es zu regelrechten Entzugserscheinungen kommen. In Internetforen spricht man sich gegenseitig Mut zu. „Halte durch, das geht vorbei.“ Als Gründe, sich von der künstlichen Wimpernpracht zu trennen, werden der finanzielle Aufwand, die Einschränkungen bei der Gesichtspflege und die „Verstümmelung“ der natürlichen Wimpern genannt. Nach durchgestandenem Entzugsprozess ist die Freude an der eigenen Augenpracht dann um so größer. Manch eine, das kann Mann ebenfalls in einschlägigen Chats lesen, grübelt ein halbes Jahr über das Thema „Wimper oder nicht Wimper?“ nach. Alle denen, die also noch mit sich ringen, sei gesagt: Jeder Trend, jede Angewohnheit birgt die Gefahr, in sich zu überdrehen. Bei den Wimpern ist das definitiv der Fall. Genauso wie man irgendwann sein eigenes Parfum nicht riecht und zu viel aufträgt, ist mehr Wimper nicht zwangsläufig auch die schönere Wimper. Außer Bollywood Stars sind das Schönheitsideal. Wohlmeinenden Freunden oder Kolleginnen sollte man dankbar für einen Hinweis sein. Wer sich gerne schminkt und pflegt, vielleicht sogar in der Beautybranche arbeitet, kann betriebsblind werden für zu stark gezupfte Augenbrauen, zu viel Farbe im Gesicht oder eben zu viel Wimper am Lid. Die vielen Beautyblogs, YouTube Webinars und die dazugehörigen Influencerinnen haben daran ganz sicher ihren Anteil. Interessant, dass scheinbar im Gegensatz zur Künstlichkeit vieler Make-up Looks, Detox, Organic und nun auch Clean Beauty, also nachhaltige Herstellung, nicht nur in der Pflege, sondern auch in der dekorativen Kosmetik immer gefragter werden. Urlaub, Sommer, Sonne, Meer sind oder waren vielleicht eine gute Gelegenheit mal abzuschminken. Den Lashes bekommen Wasserspiele sowieso nicht gut. Eine gute Gelegenheit also, die eigene natürliche Schönheit wieder zu entdecken. Sie zu betonen, nicht zu überschminken, das ist wirklich beautiful.
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]]>„Work Life Balance“, also Arbeit und Privatleben in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, gehört zu den modernen Lifestyle-Schlagworten, wenn es um die Optimierung des Lebens geht. Allerdings, ein Karl Lagerfeld, zum Beispiel, konnte mit diesem Begriff gar nichts anfangen. Gerade für Menschen in kreativen Berufen lässt sich nämlich Berufliches von Privatem oft nicht unterscheiden. Ein im Vorübergehen gesehener cooler Street Look, eine Reise, der Besuch einer Ausstellung sind Inspiration für den Job. Die richtige Balance bedeutet also für jeden etwas anderes. Balance ist auch das Thema der Mode im Herbst. Und sie sieht bei Versace anders aus als bei Jil Sander. Unübersehbar ist aber, dass nach einigen Saisons der besonderen Dekoriertheit, der lauten Farben und des wilden Mustermix Beruhigung einkehrt. Manch einer spricht sogar vom Comeback des Minimalismus. So weit sind wir noch nicht. Aber jetzt gilt: lieber ein ausdrucksvolles Muster als Mustermix um jeden Preis, lieber eine ausdrucksvolle Farbe als Colour Blocking. Der gute Geschmack hat ein Comeback. Hosenanzüge, klassische Mäntel in Cremeweiß oder Kamelhaarfarben waren nie ganz aus der Mode, jetzt wirken sie wieder trendy, genauso wie Faltenröcke oder Schluppenblusen. Es sind ein wenig versnobte Upper Class Outfits, die in Zeiten extremer Veränderung und Unsicherheit ein Gefühl von Solidität verleihen. Es gibt zwei Möglichkeiten, sie zu tragen: ironisch oder lässig. Je nachdem, in welche Richtung die Waage ausschlägt. Wer sich sich jung und wild fühlt – das ist keine Frage von Lebensjahren – kann die neue „Biederkeit“ auf die Spitze treiben und mit Seidenkleid und Perlenkette ein Statement gegen Athleisure Wear und Jogginghosen setzten. In der lässigen Variante werden Seidenbluse und Kamelhaarmantel mit Jeans und Sneaker kombiniert. Wie auch immer, die Mode tendiert dazu, weniger aufgeregt zu sein. Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die Mode als Beruhigungsmittel in aufgeregten Zeiten.
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Dunhill Herbst Winter 2018/19
Hollywoodprominenz, Models, deutsche Fernsehstars, Sportler und hochkarätige Businessmen vertrauen Tricias Kompetenz und Diskretion. Bei den männlichen Kunden gibt es zwei Altersgruppen, die besonders oft bei ihr anklopfen. Junge Männer zwischen 18 und 28 und dann die sogenannten reiferen um die 50. Bei den ersten geht es darum, die Haut ins Gleichgewicht zu bringen, die anderen möchten die Zeit aufhalten. Immer mehr jüngere Männer haben allerdings auch den Verdacht, dass Falten und gegerbte Haut nicht zwingend attraktiver machen. 31 Prozent der 18 und 34 jährigen nutzen mindestens gelegentlich Anti Aging Produkte. Bei den 55 bis 65jährigen sind es knapp 26 Prozent.
Ob es mehr darum geht, im Job jung und unverbraucht auszusehen oder der Partnerin zu gefallen, ist nicht ganz klar. Beides spielt wohl eine große Rolle. Männer und Kosmetik sind jedenfalls längst keine Gegensätze mehr. 2010 haben 4,17 Millionen Männer täglich eine Gesichtscreme benutzt, 2014 waren schon 5,6 Millionen Männer täglich mit der Pflege ihrer Gesichtshaut beschäftigt. Gepflegtes Aussehen ist laut einer Studie von TNS Infratest (basierend auf einer repräsentativen Online-Befragung von 500 Frauen und 500 Männern) fast allen Männern wichtig. Die tägliche Dusche und ein Deo gehören zu den Basics, die Männer heute selbstverständlich finden. Viele wollen aber deutlich mehr und gehen deshalb auch in einen Kosmetiksalon wie den von Tricia Pahl. Von Kosmetik erwarten sie schnelle spürbare Wirkung. Männer wollen, dass es es prickelt und kühlt, es darf sogar ein bisschen wehtun, nur dann glauben sie, dass es hilft. Tricia kann das bestätigen. Der erste Beauty-Termin bei ihr ist nicht selten ein Geschenk, gerne auch mal zum runden Geburtstag. Etwas schüchtern legen sich die Herren auf die Liege. Wenn sie dann aber Hand angelegen kann, ist die Behandlung von Männern meist einfacher. Weshalb? „Frauen experimentieren zu viel und probieren zu viele unterschiedliche Produkte auch übereinander aus. Sie sind oft überpflegt, und die Haut kann gar nichts mehr annehmen“, lautet die Erklärung der Expertin. Der nur basic gepflegte Mann ist also ein idealer und hoffnungsvoller Beauty-Kandidat. Aus Erfahrung klug, rät die Schönheitsexpertin: Männern sollte man es nicht zu kompliziert machen. Reinigung, Peeling, Augenpflege, Emulsion für Feuchtigkeit und basta.

Sebastian, 24, weiss das zu schätzen. Er ist mit gerade 24 Jahren einer von Tricias jungen Kunden. Er spart regelrecht darauf, sich immer mal wieder eine Behandlung leisten zu können. Bei Tricia ist sie nämlich teuer, je nach Anwendungen so um 165 Euro. „Aber es lohnt sich“, sagt er. Auch wenn er die Pubertät längst überstanden hat, leidet er noch unter Unreinheiten und immer wieder Pickeln. „Nach der Behandlung habe ich eine ganze Weile Ruhe“. Für ihn gehört auch zu Hause Reinigung und Feuchtigkeitspflege der Gesichtshaut wie das Zähneputzen zur täglichen Routine. „Klar bin ich eitel, warum nicht?“ fragt er. Seine Mutter hat ihm den ersten Gutschein für eine Behandlung geschenkt. „Damit war ich quasi angefixt“. Er lacht. Die Jugendstudie des IKW zeigt, dass junge Männer alten Rollenbildern entwachsen. Sie entdecken ihren Emotionen. Gute Aussehen gehört zum Teil der Persönlichkeit, gepflegt fühlen sie sich wohler, nicht unmännlicher. Am Ende geht es, ob Jung, ob Alt, ob Frau, ob Mann, immer darum, das Hautbild zu verfeinern, Unreinheiten und Rötungen zu beseitigen, Falten wenigsten vorübergehend zu minimieren. Das manchmal mehr versprochen wird als machbar ist – der informierte Kunde ahnt, dass nicht alles möglich ist, was wünschenswert wäre. Man muss schon auch dran glauben sagt Sebastian. In seinem Bad steht noch kein „Anti-Fatigue Eye Treatment“ oder ein „Oil Control Mattifying Moisturizer“, wie ihn viele Hersteller anbieten. Mattieren übrigens ist ein zentrales Anliegen von Männern. Vor Glanz im Gesicht haben sie regelrecht Angst, vor Puder allerdings auch, bedauert Tricia Pahl. Dabei ließen sich mit ein wenig Puder zwei Probleme gleichzeitig lösen. Der Glanz wäre weg und die gesunde Hautfarbe da, die Männer so gerne haben und oft genug dem Solarium verdanken – wo doch jeder weiß, dass zu viel Sonne die Haut frühzeitig altern lässt. Aber, obwohl für Männer Puder und La Cage aux Folles nicht zwingend gleichbedeutend sind, tut sich das Gros der Männer mit jeglicher Art von dekorativer Kosmetik schwer. Selbst kleine Pickel mögen nur sechs Prozent abdecken. Die Sorge, unmännlich, wenn nicht tuntig zu wirken, ist bei den meisten offenbar noch größer als die Eitelkeit. Männer wollen also schnelle Effekte, sich aber in der Regel nicht der Kniffe bedienen, die Frauen fast im Handumdrehen aufblühen lassen. Noch!
In coolen Cafés, Galerien oder Clubs sieht man inzwischen öfter junge Männer, die mit Kajal, Lippenstift und Nagellack ziemlich selbstverständlich umgehen und dabei gar nicht unmännlich wirken. Sie stellen vielmehr eine neue Art von Männlichkeit vor, in der Schnäuzer und getuschte Wimpern kein Widerspruch sind. Das mag den einen oder die andere vielleicht irritieren, lässt sich aber auch als Ausdruck besonders starken männlichen Selbstbewusstseins deuten. Von M.A.C gibt es übrigens schon seit 2015 eine Kollektion mit geschlechtsneutralen Kosmetikprodukten und von Catrice wurde Anfang diesen Jahres eine eine limited Edition „Genderless“ mit Trend-Produkten für ein Make-Up ohne Geschlechtergrenzen angeboten. Eine Onlinebefragung des Marktforschungsisitits Kantar TNS im Auftrag des VKE ergab ganz aktuell im April 2018, dass immerhin knapp 5 Prozent der befragten Männer gelegentlich Mascara verwenden und 4 Prozent gelegentlich einen Kajalstift nutzen. Immerhin 2 bis 3 Prozent der Männer würden im Falle einer Einladung zu einem spontanen Kurzurlaub „auf jeden Fall“ Lippenstift, Lidschatten, Rouge und Mascara einpacken. Die Frage nach sexueller Orientierung erscheint in diesem Zusammenhang als sehr old school, sehr 20. Jahrhundert. Wobei, wer an David Bowie denkt, merkt schnell, wirklich neu ist wenig. Und sogar ein Super-Macho wie Dieter Bohlen hat in seinen Modern Talking Jahren mindestens Berührung mit Lip Gloss gehabt. Männlichkeit liegt im Auge des Betrachters und selbstverständlich der Betrachterin. Männer und Kosmetik!? Fest steht, Berührungsängste schwinden. Männer greifen nicht mehr heimlich in den güldenen Cremetiegel der Partnerin, sondern wollen einen eigenen, eher chromfarben minimalistisch gestalteten. Um nochmal auf müde Augen und gefärbte Wimpern zurückzukommen. Tricia hat ein zurückhaltendes Braun gewählt, kein Kohleschwarz, und der Effekt ist beachtlich. Niemands hat’s bemerkt, aber ich fühle mich viel wacher. Was will Mann mehr?
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Nadja Al-Chalbi, 52, Mutter von zwei Söhnen,18 und 19 Jahre alt, ist eine von den Frauen, die, obwohl sie in Zentimetern gemessen, vielleicht nicht groß sind, doch dank Ihrer Persönlichkeit groß wirken. Sie ist eine schlagfertige, witzige, selbstironisch kluge Beobachterin ihrer Umgebung.
1966 wurde Nadja Al-Chalbi in eine Familie geboren, in der zwei Welten völlig überraschend aufeinander trafen: Ihre Mutter floh als junge Frau kurz vorm Mauerbau aus der DDR; Nadjas Vater, ein intellektueller Iraker, wollte in Deutschland seinen Doktor machen und gelebte Demokratie kennenlernen. Ihre Eltern trafen in Gießen aufeinander – Liebe des Lebens. Nadja Al-Chalabi ist zeitweise im Irak aufgewachsen, ist die große Schwester zweier Brüder und wollte immer Journalistin werden. Sie hat lange beim Privatfernsehen als Redakteurin und Reporterin vor und hinter der Kamera gearbeitet, moderierte eine Society-Kolumne im ZDF Morgenmagazin und war zuletzt Producerin der gesellschaftspolitischen Talkshow von „Peter Hahne“ im ZDF.
Sie ist ein Organisationstalent, menschliche Sensibilität zeichnen sie aus. Dass sie Durchsetzungsvermögen besitzt, hat sie nicht nur als Frau, sondern auch als Frau mit Migrationshintergrund mehrfach bewiesen.
Nikolas: Du machst jetzt schob ziemlich lange Fernsehen. War das die richtige Entscheidung?
Nadja„Ja! Auch nach fast 25 Jahren kann ich sagen, dass ich glücklich bin, meinen Traumjob gefunden zu haben. Schon als Teenager wusste ich, dass ich Journalistin werden will. Ich habe immer Lea Rosh, damals Moderatorin bei „3nach9“ im Fernsehen gesehen, eine tolle Interviewerin. Da wusste ich: Dort will ich hin, zum Fernsehen. Und dann gab es in der ARD eine der ersten weiblichen Auslandskorrespondenten, Navina Sundaram-Rummel, sie hatte indische Wurzeln. Es gab damals ja noch nicht viele Frauen im Fernsehen, die eine wichtigere Rolle gespielt hätten, und schon gar nicht mit dem sogenannten „Migrationshintergrund“. Das war wichtig für mich, ich habe nach role models gesucht. Also ja, ich liebe meinen Job, weil er von einem verlangt, im Kopf beweglich zu bleiben. Er fordert dich ständig auf so vielen Ebenen heraus. Wenn du anfängst, dich auf dem auszuruhen, was du gestern gemacht hast, hast du auch schon verloren.“
Nikolas: Gab es eine Alternative zum Journalismus?
„Kurz vor dem Abitur war ich mal unsicher und fragte mich, ob ich nicht doch lieber Innenarchitektin werden sollte. Wie Menschen wohnen und wie sie sich einrichten, fand ich immer interessant. In den 80gern, im ländlichen Norddeutschland hatten die meisten von uns zu Hause stabile Holzmöbel, braune Teppiche, braune Deckenstrahler, etwas Messing und die obligatorische Essecke in der Küche stehen. Und dann gab es noch die Ärzte-Eltern! Die hatten weiße Designermöbel, futuristische, riesige italienische Designerlampen in Weiß, blanke, weiße Böden und lange, schwebende Esstische, die von filigranem Stuhlwerk begleitet wurden. Oh unbekannte Welt! Um Innenarchitektur studieren zu können, hätte ich aber zuvor eine Ausbildung, vorzugsweise als Tischlerin, machen müssen. Das lag mir nicht, und so habe ich es sein lassen. Ich interessiere mich aber noch heute für Interior Design und Architektur, wurschtel gern in meiner Wohnung rum und tausche regelmäßig das ein oder andere alte Stück gegen ein neues aus. Mein Lieblingsladen in Berlin heißt übrigens https://amazing-crocodile.de. Sonst bin ich nicht so kreativ. Ich kann nicht zeichnen, nicht rumzimmern oder bauen, und einen ordentlichen Roman werde ich auch nie zustande kriegen. Ansonsten tauschen sich die Klamotte und ich auch gerne aus.“
Nikolas: Du hast gerade gesagt, du ziehst Dich gerne schön an. Das gehört ja auch zu Deinem Job als Redakteurin im Studio und auch auf den vielen Events, die Du besuchst, ist es schon wichtig, wie Du aussiehst. Ändert sich Dein Kleiderstil mit dem Älterwerden?
„Man kann leider nicht mehr jeden Modetrend mitmachen. Zu viel Schleifen, Rüschen, Farben, Muster, Glitzer und diese verflixt enganliegenden Stoffe werden ab 50 zu einer reellen Bedrohung am Leib. Wenn man jung ist, kann man alles tragen. Man muss noch nicht mal megaschlank sein, aber alles ist fest und stramm. Ich habe immer gehofft, das mit dem Älterwerden überspringt unsere Generation einfach. Pustekuchen. Jetzt habe ich meine beiden Söhne als zweite Instanz verpflichtet. Sie sagen mir schnell und unmissverständlich Bescheid, wenn ich DAS lieber nicht tragen sollte. In den letzten Jahren habe ich viele Klamotten aussortiert: Tschüss Miniröcke, ihr engen Jäckchen und Kleider, ade ihr Glitzersterne, engen T-Shirts und engen Hemden aller Art, oh Lieblingsjeans – werden wir JEMALS wieder zueinander finden? Es tut immer noch weh, aber ich kann bestimmte Sachen einfach nicht mehr tragen.“
Nikolas: Kannst Du sie nicht anders tragen?
„Ich hatte jahrelang ein Lieblingshemd von Herrn von Eden: Knall-lila-eng und sehr tailliert, an der Knopfleiste entlang ein prächtiges Rüschenwerk. Das Hemd und ich hatten eine wunderbare Zeit miteinander, but it’s over now!“
Nikolas: Warum gehen Rüchen und Lila nicht? Wo ist das Problem?
Um nicht missverstanden zu werden: Gemessen an all den wirklichen Problemen, die man im Leben haben kann, ist das natürlich alles nicht wichtig und ein Witz. Trotzdem ist das Älterwerden mit all seinen Begleiterscheinungen und der Prozess des Annehmens eine Herausforderung für uns alle. Für Männer wie für Frauen. Optisch wird nichts wirklich besser. Und nun zum lila Hemd: Eveline Hall, die Hamburger Sängerin und Tänzerin, die mit über 70 noch modelt, die könnte mein Hemd tragen. Sie sieht fantastisch aus und hat immer noch den megaschlanken Körper einer Ballerina. Ich könnte ihr mein Hemd mit sehr herzlichen und (fast) neidlosen Grüßen schicken!
Nikolas: Ok,Themenwechsel! Wie geht es ihr Dir bei der Vorstellung, dass die Jungen bald ausziehen werden?
„Eigentlich ganz gut. Time! Das hat die Natur wunderbar eingerichtet. Wenn die Brut fast erwachsen ist, findet man selbst als Mutterglucke, dass jetzt langsam auch mal gut ist. Ich habe keine Lust mehr, nach der Arbeit jeden Tag abgehetzt einkaufen zu gehen, das Zeug hoch zu schleppen, schnell noch was Gesundes zu kochen, danach Abwasch, schnell noch zwei Waschmaschinen, beim Essen die Fragen: Schule, was liegt an, abfragen, erklären? Eventuell müssen wir uns auch noch streiten, und ich muss wieder Adrenalin pumpen … Das liegt jetzt fast gänzlich hinter mir, und ich stehe immer öfter allein und nutzlos um 20.00 Uhr in der Küche rum und langweile mich.“
Nikolas: Und was machst du jetzt?
„Jetzt muss ich mich wohl um mich selber kümmern. Spannend. Allerdings habe ich auch keine Ausreden mehr, warum ich z. B. immer noch keinen Sport mache. Eine Konfrontation mit mir selbst. Ein ganz anderer Nahkampf als in den letzten Jahren mit zwei männlichen Teenagern!“
Nikolas: Vermutlich blieb in den letzten Jahren tatsächlich wenig Zeit für Dich. Warum betonst Du so, das Du nach Ausreden gesucht hast?
„Natürlich hat es auch immer ein Leben nach Arbeit und Kindern gegeben. Ich habe einen großen Bekanntenkreis und ganz wunderbare Freunde, die ich sehr liebe und die ich immer regelmäßig getroffen habe, viele tolle Events in Berlin … wunderbare Jahre! Aber mit einem anspruchsvollen Beruf und zwei Kindern, für die du genauso konzentriert da sein willst, bleibt eben nicht viel Zeit für einen selbst übrig. Um mal Grundsätzliches zu denken: Wo bin ich grad‘, find‘ ich das gut, was könnte weg – was müsste her … das Handelsübliche eben. Wenn Kinder kommen, verändern sie alles. Volle Konzentration auf diese wunderbaren Wesen, dann kämpft man darum, alles Bisherige (Job) möglichst auch noch daneben bestehen zu lassen, und wachsen will man ja auch noch … Dann sind sie groß und brauchen dich und den ganzen eingerichteten Planten??? so nicht mehr. Jetzt musst du das Ding wieder zurückbauen, suchst nach der geeigneten Größe, und die Kinder, die keine mehr sind, muss man loslassen, und das will auch geübt werden, das geht nicht so einfach von heute auf morgen.“
Nikolas: Wandelt sich das Verhältnis von Eltern und Kindern jetzt. Wird es vielleicht freundschaftlicher. Ich habe das Gefühl viele Eltern betrachten ihre Kinder als Freunde?
„Ich halte das für ein Missverständnis. Du kannst mit Deinem Kind nicht eine Freundschaft, wie zu einem deiner Freunde haben. Du bist immer Mutter, du bist immer Vater. Für deine Kinder gibst du alles. Immer und jederzeit. Das ändert sich nicht. Jedenfalls nicht in meiner Familie, und das finde ich sehr schön. Ich hoffe, dass die Jungs und ich uns immer füreinander interessieren, einander was zu sagen haben und vertraut in engem Kontakt zueinander bleiben werden.“
Nikolas: Ich hab ja selbst keine Kinder, aber ich das Gefühl, dass sich jugendliche Kinder heute viel mehr am Lebensstil ihrer Eltern orientieren. Oder vielleicht sogar ehr konservativer sind als die Eltern.
„Das stimmt. Das liegt an uns. Wir Berliner Großstadteltern ziehen ähnliche Klamotten an, hören auch mal ihre Musik und feiern am Wochenende immer noch gern Partys. Da ist es für unsere Kinder nicht leicht sich abzugrenzen. Aber meine Söhne haben Wege und Mittel gefunden, sich klassisch schmerzhaft von mir abzugrenzen. Konservativismus war allerdings nicht das Mittel ihrer Wahl.“
Nikolas: Wie gehst du mit dem Thema Älterwerden um?
Ich bin kurz vor meinem 50. Geburtstag mit meinem Bruder Yoshi spazieren gegangen, und er hat es auf den Punkt gebracht „Wenn es gut läuft, erleben wir noch 30 mal Frühling, 30 mal Winter …“. Rumms. Der Satz traf mich mit voller Wucht. Also nur noch so!!! wenig Zeit. Um alles, was man sehen, erleben wollte, auch tatsächlich zu tun. Man weiß, dass das Leben endlich ist. Eigentlich. Aber bis zum 40., 45. Lebensjahr gibt es keine wirklich spürbare Endlichkeit. Du lässt dich vom Alltag, von Bergen von Notwendigkeiten und Banalitäten, von vielen Kompromissen verschleißen und verschiebst vieles in die Zukunft. Jedenfalls habe ich das so gemacht. Es wäre dumm, wenn ich das weiterhin so laufen lassen würde. Kein brachialer Bruch mit meinem bisherigen Leben, aber ich muss Sehnsüchte und Wünsche jetzt leben, neue Prioritäten setzten.
Nikolas: Macht Dir der Gedanke an den Tod Angst?
„Ich hatte große Angst vor dem Sterben, als meine Kinder klein waren. Meine Kinder zurückzulassen, ohne sie begleiten zu können, das war ein grauenhafter Gedanke, der mich manchmal einfach so überfiel. Jetzt sind beide über 18 Jahre alt und gehen ihren Weg. Und jetzt denke ich manchmal: Ey Schicksal, komm‘ mir bloß nicht auf dumme Gedanken, nur weil die Kinder jetzt groß sind, ich habe noch viel vor!“
Danke Dir!
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Zurück zu Meghan und Harry. Sie sind ohne Frage ein bildhübsches Paar. Die Braut ist zwar nicht royaler Abstammung aber auch kein Aschenputtel. Man sollte das unbedingt als eine gute Voraussetzung für das Gelingen der Verbindung betrachten. Augenhöhe ist in jeder Beziehung hilfreich. Und auch, dass sie ihr soziales Engagement verbindet ist ein Plus. Die beiden sind offensichtlich sehr verliebt. Lange war, zumal in Königshäusern, Liebe keine Voraussetzung, um zu heiraten. Das sich das geändert hat, macht die Angelegenheit aber nicht einfacher. In einer Zeit, in der so vieles austauschbar ist, scheint es manchmal am einfachsten auch den Partner links liegen zu lassen, wenn die Liebe etwas nachlässt. Aber jetzt geht es erstmal darum die Party zu feiern. Pinterest ist ein ganz gutes Zeitgeisbarometer. Folgende Trends kann man dort entdecken: Brautkleider in champagner oder rosé sind besonders begehrt, Hochsteckfrisuren sollten nicht zu perfekt sein, frische Feigen verzieren die Hochzeitstorte und XL Wimpern sorgen für einen hinreißenden Augenaufschlag vor dem Altar. Am Ende zählt aber, ob Bauern- oder Prinzenhochzeit, nur die Liebe.
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