Streetstyles Mailand Frühjahr 2016
Sie ringeln sich und kringeln sich, wippen, federn, schwingen … „Bewegung“, so nennen das Expertinnen und Experten, ist in Sachen Haare der wichtigste Trend momentan.

Chloe Sommer 2016

Giamba Sommer 2016

Bottega Veneta Sommer 2016
In den 50er Jahren ging die Dame mit Wicklern ins Bett – es ist wieder soweit!
Dauerhafte Wellen, weiß die gelernte Friseurin, sind den meisten Frauen dann doch zu heikel. Die alte Dauerwelle, auch wenn sie von der Industrie immer wieder mal propagiert wird, will nicht wirklich ein Comeback feiern. Ihr Image ist einfach zu schlecht. Die erste Assoziation zu ihr sind Tante Tuttis Ringellöckchen. Eingesetzt werden Dauerwellen heute, wenn überhaupt, für leichte Umformungen, mit denen ein lockerer Strandlook kreiert werden kann. Gerade diesen „Undone-Look“, der so aussieht, als sei man gerade wie die Venus dem Meer entstiegen, hält Dreisbach auch für trendbestimmend und für die Kundinnen umsetzbar: „Er ist unkompliziert und es gibt viele Produkte, die ihn wirkungsvoll unterstützen.“ Und nicht nur für diese Art von Lockenkopf bieten Friseure und Handel eine verwirrend große Vielzahl an Schäumen, Cremes, Ölen oder Sprays, die Locken auf den Kopf zaubern sollen. Sie nennen sich etwa „Light Elements Texturizing Creme“, „Make Waves Shaping Gel“, „Undone Texture Spray“ oder „Wind Blown“. Leichter, schwereloser Halt und Glanz bis in die Spitzen werden versprochen. Richtig ist, krauses Haar ist trockener und neigt eher dazu, strohig zu wirken. Mit Hilfe der richtigen Produkte kann es leichter zu handhaben sein, gepflegter wirken und auch die Sprungkraft der Haare spürbar erhöhen. Ein sogenannter Diffusor-Föhn lässt lasche Naturlocken nach der Wäsche förmlich aufblühen. Aber: Wo sich nichts ringelt, werden weder Öl noch Schaum etwas ausrichten können. Da muss dann eben mit dem Lockenstab, mit Wicklern, schlussendlich vielleicht doch mit einer Dauerwelle nachgeholfen werden. In den 50er und 60er Jahren ging die Dame mit Wicklern ins Bett. Na also, es ist wieder soweit. Alternativ kann man sich vor dem Schlafengehen auch viele kleine Zöpfchen flechten. Wenn sie am nächsten Morgen aufgebunden werden, sind die Haare ganz fabelhaft in Bewegung. Unter Umständen in jede Richtung. Das ist gar kein Problem. Sogar ein bisschen Frizz ist erlaubt, also diese im Allgemeinen verhassten klein gekräuselten, abstehenden Haare. Ganz en vogue: glatter Scheiter, gekräuselte Längen.
Menschen mit Locken gelten als aufgeschlossene Persönlichkeiten
Glücklich dran sind momentan vor allem diejenigen, denen die Gene eine Neigung zur Lockenbildung mitgegeben haben. Sie haben es verdient, nachdem sie so lange gegen ihre Natur ankämpfen mussten, um modisch mitzuhalten. Nur etwa 15 Prozent der Menschen mit europäischer Abstammung haben übrigens lockiges Haar. Sie allerdings werden es mit großer Wahrscheinlichkeit an ihre Kinder weitergeben. Das „Locken-Gen“ Trichohyalin, erst 2009 vom Queensland Institute of Medical Research entdeckt, wird zu 85 bis 95 Prozent dominant vererbt. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Bildung der Haarwurzel. Menschen mit Locken gelten gemeinhin als starke, aufgeschlossene Persönlichkeiten, ein bisschen frech, dabei aber lebensfroh, warmherzig und dynamisch. Ob diese Eigenschaften auch in den Genen liegen, sei dahingestellt. Es sind aber nicht die schlechtesten Vorurteile, denen man begegnen kann. Perfekt geglättete Haare wirken professionell, durchaus faszinierend, aber eben auch kühl und unnahbar. Sie halten auf Abstand. Einfach mal durchwuscheln? Um Gottes Willen, absolut verboten! In der Mode wird der Vintage-Style der 70er gerade durch eine neue Romantik abgelöst. Folklore in allen Facetten ist das Thema der Saison, insgesamt wird die Mode dekorativer, man könnte sagen weicher und sinnlicher. Genau so wirken auch die neuen Lockenköpfe. Sie stehen für Beweglichkeit, Flexibilität und Poesie. Also genau das, was die Welt jetzt braucht.
Stella Jean Winter 2017, Backstage