Mailand Sommer 2014 – Trendreport

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Gucci Sommer 2014

Wie das Publikum teilten sich auch die Designer in zwei Gruppen: Die Einen, etwa Blugirl, Cavalli, auch Gucci oder Dolce & Gabbana schneidern für eine Frau oder auch deren Tochter, der es bei der Auswahl der Kleider vor allem darum geht, bei den glamourösen Anlässen, die den Takt ihres Leben bestimmen, eine gute Figur, nämlich eine damenhafte, zu machen. Sie sind einem klassischen, wenn man möchte konventionellen Frauenbild verhaftet, das etwa im Fall von Blugirl den „Uptown-Girl-Look“ der 60er Jahre im Sommer 2014 wieder aufleben lässt.

Für Dolce & Gabbana bleibt ihre sizilianische Herkunft ein unerschöpflicher Quell der Inspiration. Blühende Mandelbäume schmücken den Laufsteg, Mandelblüten später Kleider und Haar. Zentrales Thema aber sind Bilder antiker Ruinen und Säulen, gedruckt auf lange schmale oder kurze kurvige Kleider im Stil der sechziger Jahre. Allesamt kostbar und beeindruckend schön.

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Gucci Sommer 2014

Der Look dieser Luxusfrauen kann auch, wie bei Gucci, einen heutigen Touch bekommen, wenn nämlich Sports- und Activwear eine gewagte Kombination mit Cocktailmode eingehen. Kleider, Overalls, Bomberjacken aus Seide, Jogginghosen, alles ist bei Gucci oversized und fließend. Digital vergrößerte Art-Deco-Muster, gedeckte Farben, tiefe Ausschnitte und Netzstoffe geben der Kollektion eine opulente Eleganz und Sinnlichkeit. Bei Roberto Cavalli wiederum sahen viele der Models so aus, als schlenderten sie direkt aus dem Set des Films „The Artist“ auf die Laufstege. Schimmernde silbergraue oder puderrosa Glamourmode im Look der 30er Jahre, Kleider für – wie der Designer sagt – „romantische Frauen“. Nicht romantisch, sondern kämpferisch sind dagegen die Frauen bei Miuccia Prada, und damit gehört sie zur zweiten Gruppe der Mailänder Designer, für die ihre Kollektionen mehr eine Auseinandersetzung mit der Frau im Hier und Heute sind.

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Ein Bild der Frau von heute

Miuccia Prada möchte mit ihrer Kollektion die moderne Frau „sichtbar“ machen, in ihrem Kampf und, ganz wichtig, in ihrer Schönheit. Sie ließ für ihre Schau den hauseigenen Präsentationssaal von sechs Street-Art-Künstlern ausmalen. Auftrag: Ein Bild der Frau von heute. Gezeigt wurde eine Parade von farbstarken, oftmals mit glitzernden Steinen besetzten, expressiven Kleidern. Jugendlicher Street-Style und Einflüsse aus dem Sport wurden besonders an den Wadenwärmern, die die Models trugen, und trikotartigen Kleidern deutlich. Wandbilder und Kleider verschmolzen in manchen Momenten, wenn sich Frauengesichter, Motive und Farben der Street-Art auf den Kleidern wiederfanden. Mode, Kunst und Politik gehören für Miuccia Prada unweigerlich zusammen. Miuccia Pradas Bild der modernen Frau ist das einer Kämpferin, die sich behauptet und eine neue Vorstellung von weiblicher Schönheit entwirft, letztendlich eine Frau wie sie selbst, komplex und selbstbewusst.

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Erstaunlich, dass auch Karl Lagerfeld, der seit 48 Jahren für Fendi verantwortlich zeichnet – momentan gemeinsam mit der Fendi-Tochter Silvia Venturini Fendi – immer wieder innovative Kollektionen zeigt. In dieser Saison war es die digitale Technologie, die ihn beschäftigte, und Vokabeln wie „informatics“ und „hyperlinks“ dienten als Erklärung für das Konzept mit graphischen Strukturen, asymmetrischen Schnitten und sanften Farbverläufen. Wie geöffnete Webseiten, die sich auf dem Bildschirm überlagern, wirkten etwa die Organzalagen, die die Oberfläche einer Reihe von Kleidern bildeten. Drei weitere starke Frauen zeigten auf ganz unterschiedliche Art starke Kollektionen: Jil Sander gibt ihrem edlen Minimalismus eine jugendliche Frische und nimmt ihm mit bauchfreien Tops, zarten Pastelltöne und bunten Prints die Strenge. Ohne Frage ein Fall von Altersweisheit. Consuelo Castiglioni gelingt für Marni eine exzentrisch ausbalancierte Kollektion mit asiatischen Elementen, Sarongschnitten, Origamifältelungen, Sporteinflüssen, etwa in Form von Bomberjacken und Sonnenkappen – und romantischen Details, nämlich Blütenmotiven. Auch das eine Kollektion, die Frauen schön sein lässt, ohne einem Klischee von Weiblichkeit zu folgen, oder plakativ sexy zu sein. Last but not least rockt Donatella Versace mit Jeans und Leder: Das steht ihr gut.

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