Paris Winter 2013 – Trendreport Von Nikolas Feireiss

 

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Wunderkind Winter 2013

Es gibt so etwas wie einen besonderen Pariser Chic, der den Status der Stadt als Welthauptstadt der Mode begründet. Was genau das Pariserische ausmacht, ist schwer zu sagen, vielleicht ist es mehr ein Gefühl für Mode als die Mode selbst. Der französische Modemacher Roland Mouret sagt es so: „Es scheint mir, dass Paris eine ganz eigene Definition im Lexikon der Mode hat. Etwas Pariserisches zu machen, zwingt dich, dich von Trends zu lösen, die in London, New York oder Mailand entstehen könnten.“ Zu den lebenden Legenden der Pariser Eleganz – fast schon ein Klischee – gehört Catherine Deneuve. Von ihr und ihrem Vampir-Thriller der „Kuss des Todes“ ist Mourets Herbst/Winter-Kollektion inspiriert. Kein Wunder, dass keine Kuschelmode gezeigt wurde, dieser Pariser Chic ist scharf geschnitten, setzt grafische Farbfelder zusammen, Blau, Rot Schwarz, die Farbtöne sind kühl, Leopardenprints verstärken den Eindruck, dass Jägerinnen über den Laufsteg gehen. Ein Aspekt Pariserischen Chics ist also, folgt man Mouret, Disziplin. Eine Pariserin lässt sich nicht gehen. Ein Pariser Designer vielleicht besser auch nicht. John Galliano hat das schließlich den Kopf bei Dior gekostet.

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Wunderkind Winter 2013

Sein Nachfolger, der belgische Designer Raf Simons, gibt dem Traditionshaus nun im wahrsten Sinne des Wortes einen „new look“. Auch das ist auf eine andere Art eine Frage von Disziplin und Balance. Raf Simons möchte nämlich dem Haus seinen Stempel aufdrücken und gleichzeitig dem Meister nah bleiben. Er nähert sich Dior auf intellektuell-psychologische Weise und hat eine Gemeinsamkeit entdeckt: die Liebe zur Kunst. Vor seiner Karriere als Modeschöpfer war Christian Dior ein erfolgreicher Galerist, der Arbeiten etwa von Dalí, Mirò und Giacometti ausstellte, Raf Simons ist ein Kenner zeitgenössischer Kunst. Genau die schuf nun die Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen. Schon die Inszenierung des Ereignisses, und ein solches bleibt die Dior-Show auch unter Raf Simons, war ein Kunstwerk. Große silberne Ballons schwebten über den Gästen und lagen auf dem Laufsteg. Für Raf Simons eine Verbindung von Andy Warhols Factory und den Wolken René Magrittes, insgesamt ein Hommage an Dior, der eben eine enge Verbindung zu den Künstlern seiner Zeit hatte. Frühe Warhol-Zeichnungen, etwa High Heels, Blüten oder Frauenköpfe fanden sich denn auch auf fließenden, weißen Kleidern oder auf einer Tasche, die ohne Frage Anwärterin darauf ist, als neue Dior-It-Bag im Winter 2013 ausgerufen zu werden. Ein schwarzes Lederkleid, auf dessen Rücken eine Rose ihre Blätter entfaltet, war genau dem Kleid nachempfunden, dass Dior 1949 entworfen hatte – allerdings in pinkfarbenem Satin. Raf Simons, der als Minimalist begonnen hatte und für eine seiner Männerkollektionen den Titel „Mode-Terrorist“ bekommen hatte, gelingt es, den Pariser Chic des Hauses Dior für die Zukunft fit zu machen und bis nach Hollywood zu bringen. In einem atemberaubenden Dior-Kleid stolperte die 22-jährige Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence schließlich ihrem Oscar entgegen. Pariser Chic formvollendet zu tragen muss die junge Diva also noch lernen, aber was sie dann mit dem Oscar in der Hand zeigte, waren Gefühle, und nur die geben der Mode am Ende wirklich Kraft und Glamour.

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Disziplin alleine reicht eben nicht aus, die große überwältigende Schau täuscht mitunter darüber hinweg, dass die gezeigten Kleider selber nicht berühren. Die Lanvin-Schau von Alber Elbaz war nach einhelliger Meinung so ein emotionaler Modehöhepunkt, der den Kleidern zu verdanken war. Abend- und Tagesmode mischt Lanvin ohne Bedenken, einige Kleider spielen mit dem Look der 20er, andere mit dem der 50er, Samtroben und Drapee-Kleider werden zu maskulinen Schnürschuhen, Pelzstolen und -jacken kombiniert. Was sich nach einem Durcheinander anhört, war eine mit scheinbar leichter Hand gemachte Kollektion, die bewies, wie unangestrengt Eleganz wirken kann. Wolfgang Joop stand schon vor seiner Wunderkind-Schau auf dem Laufsteg und gab Interviews. Auch das ein Zeichen von modischer, um nicht zu sagen preußischer Disziplin, und die muss er ja beweisen, bei den Turbulenzen, die sein Label erlebt hat.

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Miu Miu Winter 2013

Die Farben der Tricolore, Rot, Blau und Weiß, lässt er von erdigen Farben begleiten. Das Mädchen vom Lande, frisch und von natürlicher Grazie, war der Leitgedanke seiner Kollektion. Ein Bild von Kleidern mit großen Tulpen, genau die, über die man sich am Ende des Winters so freut, berührte am meisten. Und der Pariser Trend? Was propagieren die großen und die kleinen Häuser, an denen Paris so reich ist? Die Farben werden dunkler, die Stoffe vielleicht ein wenig schwerer, Prints dürfen groß sein, Orange, dunkles Grün und Schwarz gehören zu den Lieblingsfarben vieler Designer, manche Röcke sind länger. Am Ende aber ist Chic, nicht nur der der Pariser, wohl eine Frage der Haltung, des Geistes, mit dem man seine Kleider trägt und aussucht. Gelingt das, darf man auch mal stolpern und kann trotzdem im nächsten Moment alle anderen überstrahlen. Manchmal sogar mit dem Oscar in der Hand.

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