Zurück in die Zukunft

„Es sieht zu modern aus. Modern ist veraltet“. Ein Zitat von Bertolt Brecht, das wir mal besser nicht auf das neue Jahr beziehen wollen. Wir geben 2018 eine Chance und empfangen es froh und hoffnungsvoll. Aber dass Dinge zu modern sein können, beschreibt ganz gut ein Bedürfnis nach Beruhigung und Rückblick, das die Mode gerade beschäftigt. Donatella Versace etwa hat für diesen Sommer eine Tribute-Kollektion für ihren Bruder auf den Laufsteg gebracht. Fast eins zu eins liefen 20 Jahre nach seinem Tod Modelle seiner bekanntesten Kollektionen über den Laufsteg. Breite Schulten, schmale Hosen, die Prints aus den Kollektionen „Native Americans“, „Trésor de la Mer“, „Wild Baroque“ oder „Vogue“: Unverkennbar Gianni.

Die Vergangenheit schien kurz als die bessere Zukunft

Als zum Finale Claudia Schiffer, Christy Crawford, Carla Bruni und Helene Christensen über den Laufsteg gingen, tobte der Saal. Meine ersten Showerlebnisse fielen in die Zeit der Supermodels. Was für ein Glück, die Spannung und den Spaß damals miterlebt zu haben. Für einen Moment war beides wieder da. Die Vergangenheit schien kurz als die bessere Zukunft. Das ist natürlich falsch. Und um nicht missverstanden zu werden: Das Thema ist weder Retro-Nostalgie noch Stillstand. Neue Materialien werden entwickelt, Farben und Muster phantasievoll in unerwartete Zusammenhänge gebracht. Nachhaltigkeit und faire Produktionsprozesse gewinnen an Bedeutung. Aber modisch zu sein ist nicht mehr gleichbedeutend mit immer sofort das Neuste zu haben. Die sich immer schneller entwickelnde Digitalisierung, Globalisierung, die Hektik von Tweets und Informationen aus allen Kanälen erzeugen ein Bedürfnis nach Innehalten. Tradition, Klassik, Qualität sind in Lifestyle-Fragen hoch im Kurs. Auch Möbelklassiker werden neu interpretiert oder wieder aufgelegt. Die Mode erinnert daran, dass die schöne Zukunft immer eine Weiterentwicklung des Guten aus der Vergangenheit ist.